Was sind Blauaugen?

 

Blauaugen sind recht unbekannt, selbst altgediente Aquarianer fragen nach was Blauaugen sind, obwohl ihnen die gängisten Arten nicht unbekannt sind. Sie ist mit drei Gattungen und achtzehn Arten eine überschaubare Fischfamilie.

Blauaugen sind kleine und mit wenigen Ausnahmen farbenfrohe Fische, die bis vor einigen Jahren zu den Regenbogenfischen gehörten. 1989 trennten Saeed, Ivantsoff und Allen sie aus der Familie Melanotaeniidae und stellten die neue Familie Pseudomugilidae auf. Das muss natürlich ein Grund haben bzw. wissenschaftlich belegt sein. Den Blauaugen fehlen eine Knochenplatte vor dem Schädel, Mesetmoids. Ein Unterschied zu Melanotaeniidae ist das Vorhandensein nur eines Tränenbeins in der Augenhöhle gegenüber 2 oder 3. Auch unterschiedlich sind zwei Knochen im Unterkiefer. Dieses nur zur Information, sichtbar sind diese wissenschaftliche Merkmale nicht. Ich finde , der Unterschied zu einem Regenbogenfisch fällt schon von der Körpergestalt sofort ins Auge. Die erstentdeckte Art war Ps. Signifer, die 1866 beschrieben wurden, 1908 und 1911 folgten Ps. novaeguinea und gertrudae. H.-M. Deusen entdeckte 1953 Ps.furcatus, die zwischenzeitlich Popondichthys und Popondetta als Gattungsnamen hatten, bis Allen sie endgültig1989 in die Gattung Pseudomugil überführte. Trotzdem werden sie immer noch im Handel unter  dieser Gattungsbezeichnung gehandelt. In diesen Jahren wurden auch viele neue Blauaugen entdeckt und für die Aquaristik verfügbar gemacht.An  Hand eines Stammbaumes möchte ich das trockene Thema Systematik der Blauaugen abhandeln.

  Sie gehören in die Ordnung Atheriniformes (Ährenfischähnliche) und sind der Familie Pseudomugilidae unterstellt. Es gibt drei Gattungen, wobei zu Pseudomugil 15  Arten  zu Kiunga zwei Arten und Scaturiginichthys nur eine Art. Einige  Arten der Gattung Pseudomugil haben noch einige Fundortvarianten. Ich glaube , das in den nächsten Jahren noch einige neue Arten entdeckt werden, da die Länder Papua Neuguinea und Irian Jaya noch ziemlich unerforscht sind. Ich hoffe, das sich Wissenschaftler, Abenteurer und reisende Aquarianer bereit finden diese Anstrengungen und Mühen auf sich zunehmen. 

Blauaugen sind kleine bis ca. 7 cm großwerdende Fische, die seitlich mäßig bis stark zusammengedrückt sind. Sie haben ein oberständiges oder endständiges Maul und ein großes Auge, das von schwach bis kräftig blau gefärbt ist. Die Männchen haben bei den meisten Blauaugen ausgezogene Flossenstrahlen der ersten Rückenflosse, After- und Bauchflossen. Die Brustflossen sehen wie kleine Flügel aus, deshalb sieht ein Schwarm Blauaugen wie kleine Schmetterlinge aus. Bei den meisten Arten ist der Rücken ist flach ausgebildet, was bei Oberflächenfischen die Regel ist. Bei Ps.reticulatus ist dieses nicht der Fall und deshalb bewohnt er auch die unteren Regionen des Aquariums.

 

 

 

Vorkommen


AustralienAustralien

Die Heimat der Blauaugen sind die Inseln Australien und Neuguinea. Nun hieße es Perlen vor die Säue werfen, wenn ich hier über sie berichten würde, weil ich in diesem Teil der Erde noch nicht gewesen bin. Von Australien steht in jeder gut sortierten Buchhandlung unter der Rubrik Reisen genug Literatur in den Regalen.

Trotzdem möchte ich einige Worte über Australien verlieren. Der fünfte Kontinent liegt südlich des Äquators ca. 24 Stunden Flugzeit von Deutschland entfernt. Es ist der kleinste Kontinent der Erde, dafür aber die größte Insel, die im Norden durch die Timor- und Arafurusee begrenzt ist, im Süden  und Westen durch den indischen Ozean  und im Osten durch die Tasmanen –See, einem Teil des  pazifischen Ozean. Australien ist um ein drittel kleiner wie Europa, mit einer Gesamtfläche von ca. 7,5 Millionen Quadratkilometer. Die Einwohnerzahl beträgt ca. 15 1/2  Millionen. Das Klima ist sehr variabel, und zwar im Norden und Nordosten tropisch, der Osten, Südosten und Südwesten subtropisch bis mäßig warm. Im inneren Kontinent herrscht heißes und trockenes Klima. Die Länge der Küste beträgt 30000 Kilometer und bis auf eine Art besiedeln Blauaugen die küstennahen Gewässer im Norden, Nordwesten und Osten von Australien. Diese Gewässer sind zum Teil einer Tide ausgesetzt, was man bei der Wasserzusammenstellung bedenken sollte, die bei der Fischbeschreibung speziell behandelt wird.

 
Biotopbeschreibungen ( weitere bei Artenbeschreibung ):

Burtons Creek, Litchfield National Park, Northern Territory.

Fließend, klares Wasser, Tiefe 0,5 Meter, keine Pflanzen.

Wasserwerte: pH: 4,5, Leitwert: 90 Mikrosiemens, dGH: unter 1°, KH: unter 1°

Temperatur: 28,4°C

Fundort von Pseudomugil gertrudae

Biotopbeschreibung erstellt: Grunwald, Schilling, Wilson.

 
Schnapper  Creek, Queensland, 150 Kilometer nördlich von Brisbane(Tin Can Bay Road)

Langsam fließendes, klares Wasser. Tiefe: 2 Meter. Breiter Bachlauf mit steilen Ufern. Sandboden mit einigen Wurzeln, Fadenalgen im Flachwasserbereich.

Wasserwerte: pH: 5,8 Leitwert:170 Mikrosiemens  dGH: nicht gemessen  KH: nicht gemessen  Wassertemperatur: 21,5°C

Fundort von: Pseudomugil mellis

Biotopbeschreibung : Grunwald/ Schilling


NeuguineaNeuguinea

 Die Insel Neuguinea ist  staatenmäßig geteilt, und zwar von Australien gesehen  rechts der eigenständige Staat Papuaneuguinea und links Irian Jaya, das zu Indonesien gehört.

Papuaneuguinea

Papua Neuguinea ( PNG) liegt direkt unter dem Äquator im südlichen Südpazifik und besteht aus mehr als 600 Inseln. Das gesamte Landgebiet beträgt ca. 460 000 Quadratkilometer und hat eine Küste von 8300 Kilometer Länge. Eine der eindruckvollsten Eigenschaften von Papua –Neuguinea ist die Vielfalt der Landschaft. Sie wird dominiert von Hochland, Plateaus,  Tälern, Regenwald, Mangrovensümpfen,  Gärten, Plantagen und Korallenatollen.. Das Klima ist tropisch und vom Monsun bestimmt. Es gibt nur zwei Jahreszeiten: die Regenzeit und die Trockenzeit. Im Hochland können die Temperaturen zwischen 4 und 25°Celsius schwanken. Im Tiefland, an der Küste und im Inland zwischen 23° C und 33° Celsius. Die Einwohnerzahl beträgt weit über 4,5 Millionen und die Hauptstadt ist Port Moresby. Eine Reise in dieses Land im Südpazifik ist eine recht teure Angelegenheit.

 

Irian Jaya (Westpapua )

Irian Jaya, der westliche Teil der Insel Neuguinea, gehört seit 1967 zu Indonesien. Dieses wilde, abgelegene Land ist eine der sehr unterentwickelten Regionen der Erde, das bis vor kurzem  eine unberührte Flora und Fauna boten, aber mangels Straßenverbindungen kaum zu bereisen ist. West-Papua, wie Irian Jaya auch genannt wird, mit den dazugehörigen Inseln hat eine Grundfläche von 421 Quadratkilometern und ist mit knapp 2 Millionen Einwohnern dünn besiedelt. Es leben hier 156 verschiedene Bevölkerungsgruppen, die auch meistens eine eigene Sprache sprechen.Es wird auch in nächster Zeit nicht einfacher werden, dieses Land zu bereisen bzw. Personen zu finden, die diese Strapazen auf sich nehmen. Es ist anzunehmen, dass wir aus diesem Gebiet der Erde aquaristisch noch einiges zu erwarten haben, wenn nicht der Raubbau und die Ausbeutung an den Schätzen der Natur dieses verhindert. Der Urwald, der als unberührt und unzugänglich gilt, wird durch Abholzung bedroht und wenn erst mal der Anfang gemacht ist, ist  auch die Flora und Fauna gefährdet.

Für die Aquaristik haben sich G.R.Allen und Heiko Bleher durch ihre Reisen noch Irian Jaya verdient gemacht, indem sie in den letzten Jahren neue Fischarten entdeckt, wieder entdeckt und beschrieben haben, wie z.B. Melanotaenia boesemani, lacustris, praecox, kamaka und die Blauaugen Pseudomugil reticulatus und ivantsoffi. Die Fangexpeditionen waren recht beschwerlich, aber meistens von Erfolg gekrönt. Wie es die Forscher um die Jahrhundertwende 1900 gemacht haben , kann man sich kaum vorstellen.

 

 Haltung

 

Wie schon erwähnt, brauchen Blauaugen kein großes Aquarium, ich empfehle für 10 Exemplare ein Becken mit den Maßen von mindestens 60x30x30 cm mit 54 Liter Inhalt. Für diese Größe genügt ein luftgetriebener Filter. Der Hintergrund und die Seitenwände können bepflanzt sein und der Vordergrund sollte als Schwimmraum angeboten werden. Meine Aquarien für die Blauaugenhaltung haben die eben genannten Maße, wobei die 60 cm Länge tief ins Regal gestellt sind. Anstatt Rückwand habe ich einen blauen Filterschwamm stehen und mit einem luftgetriebenen   Förderrohr habe ich einen einfachen aber wirksamen Filter. Der Bodengrund ist mit einer flachen Schicht Kies verschiedener Marken bedeckt. Als Bepflanzung nehme ich auf Wurzeln gebundene Anubias nana. Als Beleuchtung verwende ich in den Regalen 1,20  Lichtleisten mit Grolux oder Fluora- Röhren. Damit ist das Licht nicht allzu hell und es wird sowieso nur das erste Drittel des Beckens beleuchtet. Dadurch haben die Blauaugen die Möglichkeit, sich im hinteren Teil zurückzuziehen. Wenn nicht anders erwähnt, verwende ich diese Becken für alle meine Blauaugen. Die Wasserwerte richten sich je nach Blauaugen von sauren Wasser, weichen Wasser bis zum Brackwasser. Die genauen Werte werden bei Artenbeschreibung behandelt. Ein wichtiger Faktor ist das Futter, das in großen und ganzen aus Lebendfutter bestehen sollte.

Ich plädiere für eine Alleinhaltung von Blauaugen, aber dieses ist natürlich nicht immer machbar. Wenn man Blauaugen zusammen halten möchte, muss man sich natürlich nach der Wasserzusammensetzung  richten. Zusammen  in einem Aquarium sollte man nicht Ps. cyanodorsalis und Ps. gertrudae, da sie von den Wasserwerten nicht zusammen passen. Wenn man anstatt Ps.gertrudae z.B. Ps.signifer aus dem Ross River dazu setzt, dürfte es keine Probleme geben. Haltung mit anderen Fischen ist im Grunde auch kein Problem. Die größer werdenden Blauaugen Ps.connieae, furcatus, tenellus und signifer kann man gut mit Regenbogenfischen halten und es wäre einen Versuch wert, auch mal die kleinen  wie Ps.gertrudae mit kleinbleibenden Regenbogenfische  wie z.B. Melanotaenia kamaka, gracilis, pygmeae, exquisita oder andere zu vergesellschaften. Dieses mache ich seit längeren, und zwar wachsen sie zusammen bei mir von Jungfisch auf an in einem gemeinsamen  Aquarium heran. Ob sie nun Fische für das sogenannte Gesellschaftsbecken sind, kann ich schlecht beurteilen, da ich solche Aquarien seit Jahren nicht betreibe. Aber warum nicht, wenn die Mitbewohner nicht aggressiv sind. Einen Schwarm einer Salmler-Art mit Blauaugen kann ich mir vorstellen, aber nicht, dass sie gemeinsam mit Malawi-See-Cichliden in einem Aquarium schwimmen.

Beim Kauf von Blauaugen ob beim Händler, Züchter, Aquarianer oder auf einer aquaristischen Börse muss  man ein genaues Auge auf die Tiere werfen, die man erwerben möchte. Man sollte auf folgende Punkte achten: -

Sind die Blauaugen träge Schwimmer -

Haben sie Flossenklemmen –

Haben sie äußere Verletzungen –

Haben sie erhöhte Atemfrequenz –

Haben sie Hungerbäuche oder aufgeblähte Bäuche –

Haben sie Geschwüre –

Wenn eine der Fragen mit einem Ja beantworte wird, dann sollte man auf den Kauf verzichten.

Das Einsetzen der Blauaugen muss recht sorgsam vonstatten gehen. Da die Blauaugen meistens oder sagen wir mal handelsüblich  in  Tüten abgepackt werden, muss man sie an das vorgesehene Aquariumswasser langsam gewöhnen. Aber vorher noch ein Tipp zum Transport: Durch abgedunkelte  Plastiktüten wird der meiste  Stress vermieden. Wenn ich neue Blauaugen eingewöhne, gehe ich folgendermaßen vor:

Wasser und Fische in ein Plastikbecken umsetzen –

Warten bis sich die Fische beruhigt haben –

Dann langsam mit Wasser aus dem Aquarium auffüllen, das beste ist man macht es mit einem Luftschlauch tropfenweise über mehrere Stunden –

Fische mit einem weichen Kescher umsetzen, nie mit dem Wasser –

Ich halte immer ein alteingerichtetes Aquarium zur Quarantäne zur Verfügung –

Fische in den nächsten Tagen einfach in Ruhe lassen (stressfrei).

Und nicht zuviel füttern, am besten Lebendfutter-

Als Alternative zum Fischversand empfehle ich den Eierversand. Im Winter sollte man wegen der niedrigen Temperaturen darauf verzichten, im Sommer ist es kein Problem. Als Transportbehälter verwende ich schwarze Fotodosen, die zur Hälfte mit abgestandenen Wasser gefüllt sind. Man sollte natürlich wissen, wann Jungfische aus den Eiern schlüpfen, dann kann man errechnen, wann die Sendung versendet werden muss. Meine Erfahrungen haben ergeben, fünf Tage vor dem errechneten Schlupf die Eier zur Post bringen. Dieses gilt nur in Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Das heißt, die Eier von Ps.furcatus sind nach 12 Tagen vollentwickelt, also müssen sie am 8.Tag nach Ablaichen zur Post gebracht werden. Man sammelt die  Eier aus dem Substrat und klebt sie auf einen feuchten, synthetischen Faden und legt sie dann in eine Schale mit dem Versandwasser. Die Eier müssen täglich überprüft werden und die Verpilzten entfernt werden. Am Versandtag wird der Faden mit den Eiern in die Fotodose überführt, die dann fest verschlossen und zur Sicherheit mit Klebeband verklebt wird. Die Fotodose wird dann in einen kleinen Karton gelegt und der freie Raum mit Styropur oder Luftkissenfolie ausgefüllt. Nach Eintreffen des Päckchens muss der Empfänger langsam, wirklich langsam, sein Aquariumswasser zum Transportwasser zu mischen und eben warten bis die Jungfische  schlüpfen. Wenn es nicht funktioniert muss, man einen neuen Versuch starten. Bei Sendungen nach Übersee muss man den längeren Transport beachten. Sendungen nach Amerika haben ein anderes Problem, sämtliche Sendungen werden durchleuchtet und dadurch werden die Eier beschädigt. Diesm Problem kann man aus dem Weg gehen, wenn die Eier sofort nach dem legen  abgesammelt, verpackt und verschickt werden. Bei schon entwickelten Embryen, sterben diese durch das durchleuchten ab. Diese Aussage wurde mir mitgeteilt und ist noch nicht von mir ausprobiert worden.

 

Futter

 

Besonderes Futter brauchen die Blauaugen nicht, aber es sollte ihrer Größe angepasst sein. Große Mückenlarven , Bachflohkrebse und selbst große Wasserflöhe sollte man nicht füttern. Trockenfutter ist nicht so das Ding der Blauaugen, aber es gibt ja genug gefriergetrocknetes Futter, was sie gerne fressen, wie zum Beispiel: entkapsulierte Salinenkrebse oder Cyklops von Sera, das aber nicht ganz billig ist. Das beste Futter ist selbstgefangenes Lebendfutter wie Cyklops, kleine Wasserflöhe und kleine Mückenlarven. Dieses Futter kann man über einige Tage im Eimer oder in einem ausgedienten Aquarium im Freien halten. Das beste wäre man würde einen Teich sein eigen nennen und das Futter immer frisch haben, so wie ich es habe. Auch lässt sich Futter selbst züchten, wozu die stummelflügige Obstfliege sehr gut geeignet ist. Wer keine Möglichkeit hat, auf Lebendfutterfang zu gehen, sollte sich eine Artemiazucht zulegen. Damit kann man gut den Winter überbrücken. Grindalwürmer mäßig gefüttert kann man empfehlen. Von Enchytraen rate ich ab, da sie zu fett sind. Natürlich kann man auch Tiefkühlfutter in kleiner Größe verfüttern, das ja in sämtlichen Variationen vom Handel angeboten wird.

Aber man sollte bedenken, dass Blauaugen keine Mastschweine sind, deshalb mäßig füttern. Meine Devise ist, ausgewachsene Blauaugen nur jeden 2.Tag zu füttern. Tiere die zur Zucht angesetzt werden sollen, werden zwei Wochen vorher täglich gefüttert. Jungfische werden täglich gefüttert. Auf das Futter für frisch geschlüpfte Jungfische komme ich unter Zucht zusprechen.

Ob Alt- oder Jungfische, das Futterangebot muß breit gefächert sein, bei einseitigen Fütterung neigen Blauaugen zur Verfettung durch die innere Organe beschädigt werden und sie sterben. Die meisten Aquarianer füttern ihre Fische sowieso zu oft und reichlich.

 

 

 
 

Zucht

 

Nun kann ich natürlich nicht über alle Arten Blauaugenzucht berichten, da einige Arten noch nicht in Aquarianerhänden waren bzw. noch nicht nach Europa eingeführt worden sind. Vor allen Dingen sind Blauaugen noch nicht so unter Aquarianern verbreitet, außer Ps.furcatus, signifer und gertrudae. Die Zucht von Blauaugen ist nicht schwer, hat aber manchmal seine Tücken. In diesem Abschnitt möchte ich nur allgemein über die Zucht schreiben, spezielles werde ich dann bei der Artenbeschreibung erwähnen. Nach meiner Meinung gibt es 3 Methoden.

 

Eine Methode ist es, eine Zuchtgruppe( 2 Männchen und 4 Weibchen) in ein extra eingerichtetes Aquarium ( es kann auch ein alt eingerichtetes sein) zu setzen. Die Größe des Aquarium sollte mindestens 40 Liter betragen. Als Zuchtwasser und Hälterungswasser verwende ich mein normales Leitungswasser mit den Werten pH 7,5, 10 dGH, 7KH und einen Leitwert von 350 Mikrosiemens. Die Temperatur kann zwischen 23 und 26°C schwanken. Ich mache nach zwei Tagen einen kleinen Wasserwechsel mit kalten Wasser, das bewirkt nach meiner Meinung die Erhöhung der Laichbereitschaft. Die Einrichtung des Aquariums kann man nach seinem Geschmack einrichten, von karg bis gut bepflanzt. Das karge ist das nackte Becken mit Laichsubstrat. Als Laichsubstrat kann man Javamoos, Naja, Perlongespinst oder einen Wollmob verwenden. Bei bepflanzten Aquarien braucht kein Laichsubstrat eingesetzt werden. Das Laichsubstrat sollte von der Wasseroberfläche bis zum Boden reichen, weil Blauaugen verschiedene Ablaichzonen bevorzugen. Gefüttert werden sollten die Tiere mehrmals täglich mit kleinen Portionen, und zwar kleine weiße oder schwarze Mückenlarven, Fliegen, Wasserflöhe und Nauplien des Salinenkrebses. Auf Cyklops sollte man verzichten, da sich diese an den zu erwarteten Jungfischen vergreifen. Da die Entwicklungszeit der Eier von Blauaugen sehr lange dauern kann, lasse ich die Zuchttiere ca. 14 Tage in dem Aquarium und setze sie dann in ihr altes Aquarium zurück. Nun muss man nur warten, bis die ersten Jungfische an der Wasseroberfläche schwimmen, die dann sofort angefüttert werden müssen.

Diese Methode sollte man nicht bei allen Blauaugen anwenden, da manche gegen Stress sehr empfindlich sind, und wenn der große Mann mit dem großen Ketcher hinter dem kleinen Fisch her ist, ist es für die kleinen Fische stressig. Das sollte man vermeiden. Bei den robusteren Arten Ps.furcatus und signifer ist das kein Problem.

Eine andere Methode ist etwas einfacher und ertragreicher und für die Blauaugen nicht so stressig. Die Zuchttiere leben in einem Artenaquarium, es wird einer der schon genannten Laichsubstrate in ein kleines Aquarium überführt, die Jungfische können hier schlüpfen und sofort angefüttert werden.

Die Methode, die ich bevorzuge, ist eigentlich die unproduktivste, aber nach meiner Meinung  kann man nicht alle Blauaugen in Massen züchten, warum auch. Die Zuchttiere bleiben in ihrem Aquarium und es werden aus dem eingesetzten Laichsubstrat, ich verwende Wollmobs, alle 3-4 Tage die Eier abgesammelt. Zur Hälterung der Eier verwende ich runde Glasschüsseln, die mit abgekochtem Leitungswasser gefüllt sind. Gegen Verpilzung verwende ich Cylix, Methylenblau oder 1-2 Erlenzäpfchen.Wenn trotzdem ein Ei verpilzt sein sollte muss man es entfernen, damit den anderen das gleiche Schicksal erspart bleibt. Die geschlüpften Jungfische werden dann in ein kleines Aquarium überführt und sofort angefüttert. Die meisten Blauaugenwinzlinge können gleich mit frisch geschlüpften Nauplien des Salinenkrebses gefüttert werden. Wenn das nicht der Fall sein sollte, muss man feineres Futter verwenden, wie zum Beispiel: Infusurien, Pantoffeltiere, Trockenfutter, Sera- Mikron, Algenpulver, Baby-Star und selbst feingemahlenes Trockenfutter. Der Bodengrund sollte täglich gereinigt, abgesaugt werden und dann mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Wenn die Blauaugenjungen auf 1 cm angewachsen sind, müssen sie in ein größeres Aquarium eingesetzt werden.

 



Gattungen und Arten

 

Bei der Vorstellung der Blauaugen möchte ich von der gängigen alphabetischen Reihenfolge abweichen, sondern möchte ich sie in zwei Gruppen einteilen und zwar: Blauaugen, die man bei uns erhalten und die man nicht erhalten kann.

 

 

Gattung Pseudomugil

 

Die Gattung Pseudomugil besteht aus 15 Arten, die mehr oder minder bekannt sind. Einige Arten sind noch nicht in Liebhaberhand gewesen, weil sie aus Gebieten kommen, die für einen Normaltouristen unerreichbar sind, aber gerade wir Blauaugenliebhaber hoffen, dass einige Ichthylogen, Importeure oder Abenteurer uns die noch nicht nach Europa importierten  und neuen Arten bringen werden. Nach meiner Meinung sind bestimmt auch noch nicht alle  Arten  entdeckt.

Die Gattung Pseudomugil besteht aus kleinen Fischen von Größen von 2,5-7 Zentimeter. Die Körpergestalt ist vielfältig von schlank, niedrig bis hochrückig. Sie haben zwei Rückenflossen, wobei die erste weniger Flossenstrahlen hat wie die zweite, dabei aber öfters spitz und lang auslaufend. Genauso haben Vertreter der Gattung Pseudomugil eine gegabelte Schwanzflosse. Pseudomugil-Arten werden auch in Brackwasser und sogar in Seewasser angetroffen. Der hohen Salzkonzentration sind sie aber nicht immer ausgesetzt. Manche lassen sich auch ganz an Süßwasser eingewöhnen.

 

Gattung Kiunga

Diese Gattung wurde 1983 anhand einer Art aufgestellt, die im Einzugsgebiet der Stadt Kiunga im Grenzgebiet von PNG zu Irian Jaya, gefunden wurde.Sie wurde dann nach diesem Ortsnamen benannt. Nachdem heiko Bleher eine neue Art entdeckte, die nach nach seinem Namen benannt wurde, stellte er die These auf das die Art ballochi wahrscheinlich ausgestorben ist.

 

 

Gattung Scaturiginichthys

Die Gattung Scaturiginichthys ist erst 1991 aufgestellt worden und die einzigste Art kommt sehr begrenzt vor, in kleinen flachen Quellteichen. Kurz nach der Entdeckung galten sie schon als einer der gefährdeten Fischarten Australiens.

 

 

 

Pseudomugil furcatusPseudomugil furcatus Nichols,1955

Deutscher Name: Gabelschwanzblauauge

Entdecker: H.-M.Deusen/1953

Fundort: Peria Creek( Seitenarm vom Kwagira River), Papua Neuguinea

Synonyme: Popondetta furcata, Popondichthys furcatus

 

Pseudomugil furcatus bezeichne ich immer als den Prototyp der Blauaugen, und zwar aus dem Grunde, weil sie im Handel und auf den Aquarienfischbörsen angeboten werden. Ich halte Ps. furcatus seit ca. 15 Jahren und habe noch keine Antisympathie gegen diesen Fisch bekommen, zumal wir es hier mit einem sehr attraktiven Fisch zu tun haben, der sich leicht vermehren lässt.

1953 entdeckte H.M.van Deusen auf einer Expedition im Peria Creek, einem Zufluß zum Kwagira River, bei Pumani in Papua Neuguinea  Ps.furcatus, der 1955 von Nichols beschrieben wurde. 1980 entdeckte G.Allen und B.Crockford eine neue Art, und zwar Ps. connieae und beschrieb diese Art 1981 mit dem Gattungsnamen Popondetta aufgrund des Fundorts nahe der Stadt Popondetta. Da dieser Name aber schon für eine Käfergattung verwendet wurde, unterstellte Allen die beiden Arten furcatus und connieae in die von ihm neu aufgestellte Gattung Popondichthys. Bei der Revision 1989 der Familie Pseudomugilidae stellten Allen, Saeed und Ivantsoff, aufgrund ihrer engen Verwandtschaft zu Pseudomugil, zurück in die  Gattung Pseudomugil. Aber immer noch , nach jetzt 13 Jahren, werden sie von einigen Händlern und Aquarianern mit diesen beiden Gattungsnamen betitelt. Der Artname „furcatus“ bezieht sich auf die gegabelte Schwanzflosse, deswegen auch der deutsche Name Gabelschwanzblauauge. Die erwachsenen Männchen werden ca. 6 cm groß, während die Weibchen kleiner bleiben. Das Auffälligste an Ps. furcatus ist die Flossengestaltung und deren Färbung. Die Afterflossen und die zwei Rückenflossen sind dem Körper zugewandt grauschwarz und die Flossenspitzen gelb gefärbt. Die erste Rückenflosse läuft spitz aus. Die Schwanzflosse ist in der Mitte grauschwarz angehaucht und der obere und untere Teil ist kräftig gelb gefärbt. Der Rand oben und unten ist tief schwarz gefärbt. Die Brustflossen sind wie kleine Flügel ausgearbeitet und am oberen Rand schön orangerot gefärbt. Wenn sie so durchs Becken schwimmen, sieht es aus, als wenn Schmetterlinge durchs Wasser herumschwirren. Der Körper ist transparent und gelb gefärbt. Die Weibchen sind nicht so intensiv gefärbt und haben auch nicht so imposante Flossen. Es ist ein herrlicher Anblick, wenn ein Schwarm von Ps.furcatus in einem gut bepflanzten Aquarium ihre Spielchen treiben. Meine Ps. Furcatus halte ich in einem Aquarium mit den Maßen 80x40x30 cm, Inhalt 96 Liter, mit einem luftbetriebenen Schaumstofffilter. Der Schwarm besteht aus ca. 20 Tieren, wobei die Weibchen in der Mehrzahl sind. Ab und zu wird mit einigen Jungfischen ergänzt. Der Boden ist mit einer dünnen Schicht aus schwarzen Kies bedeckt, so dass die gelben Flossen besonders gut zur Geltung kommen. Eine große Anubiaspflanze ist der einzigste Einrichtungsgegenstand. Da dieses Aquarium in der unteren Reihe meiner Zuchtanlage seht, ist die Wassertemperatur etwas kühler und hat sich bei 22°C eingependelt. Ich bin der Meinung, dass diese Temperatur zur Haltung und Zucht ausreichend ist, die Fische zeigen es mir mit brillanten Farben und ausreichend Nachzuchten. Bei zu warmer Haltung habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie nicht so langlebig sind. Als Reinigungstruppe habe ich ein Pärchen Antennenwelse und einige Garnelen eingesetzt. Ich plädiere für eine Haltung im Artenbecken, es ist aber auch möglich , sie mit anderen Blauaugen und Regenbogenfischen zusammen zu halten. Meine Jungfische werden mit Regenbogenfischen zusammen gehalten. Als Beleuchtung verwende ich Gro-Lux-Röhen, die diffuser sind wie Tageslicht bzw. Warmtonröhren . Bei Verwendung von helleren Röhren sind meine Ps.furatus immer recht schreckhaft, was sich bei üppigerer Bepflanzung bessern könnte. Die Wasserwerte sind folgende: pH-Wert 7,2, 10°dGH und  Leitwert 320 µs/cm. Nach meiner Meinung ideale Werte, und da sie fast ohne Schwankungen aus der Leitung kommen, mache ich einen wöchentlichen Wasserwechsel von 20 Litern. Bei jedem zweiten Wasserwechsel wird mit einer Mulmglocke der Boden gereinigt. Der Innenfilter, der aus 5 cm dickem, blauen Filterschwamm besteht und die ganze Rückwand einnimmt, wird alle drei Monate unter fließendem lauwarmen Wasser ausgewaschen. Zur Wasserförderung verwende ich einen Luftheber nach Injektorprinzip. Wenn man diese Vorschläge berücksichtigt, hat der Halter sehr viel Freude mit diesen Fischen.

Die Fütterung geschieht wie schon erwähnt.

Die Zucht ist recht einfach und produktiv.

 

 

 

 

Pseudomugil tenellusPseudomugil tenellus  Taylor, 1964

Deutscher Name: Zartes Blauauge

Entdecker: R.R. Miller/ 1948

Fundort des Holotyps: Zufluß zum East Alligator River im Nothern Territory(laut Allen)

weitere Fundorte: von Darwin ostwärts bis zum Blyth River, Cape York: am Edward River.

PNG: Bensbach River

 
Pseudomugil tenellus wurde im Jahr 1948 von dem Amerikaner Miller im Gebiet des East Alligator River im Northern Territory / Australien gefunden. Beschrieben wurde der Fisch erst 1964 von Taylor und eingeführt wurde er nach Europa nach meiner Meinung  1982. Zuerst hatte er den Gattungsnamen Popondichthys und Popondetta, bis er vor einigen Jahren in die Gattung Pseudomugil überführt wurde. Zuerst waren er unter den Regenbogenfischfans sehr beliebt, was bei mir auch bis heute angehalten hat. Das erste Mal sah ich dieses Blauauge vor ca. 12 Jahren beim Jahrestreffen der IRG in Leerdamm  in einem Ausstellungsbecken von Vater und Sohn Heemskerk und ich konnte ein paar junge Exemplare mit nach Flensburg nehmen. Von diesen Tieren stammt meine heutige Zuchtgruppe ab, die aber sporadisch immer mit Nachzuchten von anderen Züchtern zur Auffrischung ergänzt wurde.  Pseudomugil tenellus ist ein schlankes, gestrecktes Blauauge, das bei mir in einem Wasser mit folgenden Werten gehalten wird: pH 7,2, dGH 10, Leitwert 350 ms und bei einer Temperatur von 24°. In den Fachbüchern wird es als nicht so farbenprächtiges Blauauge bezeichnet und es wird auch immer eine Fotografie von einem nicht so gut gefärbten Tier gezeigt. Nach meiner Meinung ist es ein schön gefärbtes Blauauge, man muss es nur im richtigen Augenblick beobachten. Die Körperfarbe liegt so zwischen erdfarben und braungrau, wobei die einzelnen Schuppen leicht schwarz eingefasst sind und daher der Eindruck eines Netzmusters entsteht. Entlang der Laterallinie sind einige schwach irisierende Flecken, die in den Farben türkis bis silber strahlen. Diese Färbung wird einen nicht vom Hocker schmeißen , aber die Flossen. Die Grundfarbe besteht aus einem dunklen Braun , das mit goldenen Punkten unregelmäßig gesprenkelt ist. Schön anzusehen sind bei der Balz  die zwei weißen Linien oben und unten in der Schwanzflosse. Diese Pracht zeigen aber nur die Männchen und das sehr intensiv bei der Balz. Weitere Geschlechtsunterschiede sind die Größe, das Weibchen bleibt 2 cm kleiner als das Männchen. Entgegen der Literatur werden bei mir die Männchen ca. 6 cm groß.

Ich halte meinen Zuchtstamm von 30 Tieren in einem Aquarium von 120 Litern Inhalt, das über einen luftgetriebenen Schaumstofffilter (Eigenbau, wie immer) gefiltert wird. Der Bodengrund besteht aus einer dünnen Kiesschicht von 1 mm Körnung. Die Einrichtung besteht aus einer Anubias barteri var. Nana, die auf einer Wurzel befestigt ist und zwei Röhren für die Welse Rineloricaria spec. rot. Das Becken wird nur spärlich beleuchtet.  Als Laichsubstrat dient ein aus synthetischer Wolle  hergestellter Mop, der an ein Stück Styropur befestigt ist und dadurch frei im Becken schwimmt. Dieser Mop sollte bis fast auf den Boden reichen, aber es können auch andere Substrate wie Javamoos oder andere Pflanzen verwendet werden. Gefüttert werden die Fische einmal am Tag mit Salinenkrebsen, Tümpelfutter, dekapsulierte Artemiaeier, feines Trockenfutter und selbstgezüchtetes Futter (Fliegen, Mikro, Grindal usw.) Die Zucht ist recht einfach und produktiv. Zur Vermehrung schreiten die Pseudomugil tenellus bei mir morgens und abends. Die Männchen umschwirren die Weibchen wie kleine Schmetterlinge. Abgelaicht wird meistens im unteren Drittel des Aquariums. Die Fische stellen ihrem Laich und Jungfischen nach, aber wenn man das Aquarium gut bepflanzt hat, kommen immer ein paar Jungfische durch. Ich bevorzuge die Zuchtmethode des Eierabsammelns. Die Eier sind gegenüber den Regenbogenfischen mit ca. 2 mm recht groß. So kann man die benötigte Menge an Nachzuchttieren kontrolliert aufziehen. Es ist zwar nicht die ertragsreichste Methode, aber für mich langt es. Die ersten Jungfische schlüpfen nach ca. 8 – 10 Tagen und müssen sofort gefüttert werden. Da die kleinen Fische schon recht groß sind, können sie gleich mit Artemia gefüttert werden, aber es wird auch anderes Futter angeboten. Pseudomugil tenellus braucht ca. 6 Monate bis zur Geschlechtsreife und hat eine Lebenserwartung von 2 Jahren.

Mit diesem Fisch kann man sehr gut die ersten Erfahrungen mit Blauaugen machen.

 

 

Pseudomugil connieae Allen, 1981

Deutscher Name: Popondetta-Blauauge

Entdecker: Parkinson/Allen 1978

Fundort: In der Nähe von Popondetta/ Osten von Papua Neuguinea

Synonyme: Popondichthys connieae, Popondetta connieae

 
Meine erste Bekanntschaft mit Pseudomugil connieae machte ich durch eine Verwechselung, und zwar hatte ich mit einem englischen IRG-Mitglied Eier getauscht, er bekam welche von Glossolepis wanamensis und ich einige von Ps. furcatus. Von den 15 Eiern schlüpften 5 Jungfische, die ich hegte und pflegte, am Ende hatte ich dann ein Verhältnis von 4 Männchen und ein Weibchen, das natürlich nicht das beste Verhältnis ist. Nach etwa 5 Monaten wurden die ersten Eier gelegt und ich konnte meinen Bestand erhöhen, aber ich war immer noch nicht sicher, dass ich Ps. furcatus hatte. Über meinen örtlichen Zoohändler bestellte ich mir dann Ps.connieae, die sich zu herrlichen Tiere entwickelten. Nachdem ich die ersten Bücher von G.Allen  über Regenbogenfische in englischer Sprache in Händen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich hatte beide Male die falschen Fische bekommen, aber besser als beides mal den Gleichen. Von diesen Fischen stammen meine heutigen Stämme, sozusagen die Ururururenkel. Immer habe ich mir die besten Jungfische herausgesucht  und von anderen Aquarianern Tiere zugekauft und somit habe ich die Schönheit dieser Tiere erhalten. Für ein ungeübtes Auge ist es auch nicht gerade einfach, diese 2 Arten auseinander zu halten, und damals war ich auf dem Gebiet Blauaugen ein Neuling und vor allen Dingen hatten sie damals noch einen anderen Gattungsnamen.

Ps.connieae wurde genau wie Ps.furcatus als erstes unter dem Gattungsnamen Popondetta und Popondichthys beschrieben. Was aber nicht richtig war, weil schon andere Tiere zuerst unter diesem Namen beschrieben waren. So wurde noch im gleichen Jahr , 1981, in die neue Gattung Pseudomugil gestellt. Beide Arten haben ihren Fundort  im Einzugsgebiet nahe der Stadt Popondetta,eine Stadt im östlichen Zipfel von Papuaneuguinea.                                                                                                      Der Artname ist zu Ehren von G.Allen nach dem Namen seiner Frau benannt. Gerald Allen ist ein Amerikaner, der in Australien lebt und arbeitet und den man als den Kenner von RBF und Blauaugen nennen kann.
Von der Körpergestalt ist nicht viel Unterschied zu Ps.furcatus, aber die Färbung unterscheidet die zwei Arten erheblich. Der Körper ist dezent metallisch blau gefärbt und zieht sich bis in den oberen Bereich des Kopfes fort. Die untere Kopfregion, Kehle und die vordere Bauchregion ist gelb gefärbt. Die Laterallinie ist grauschwarz gezeichnet , aber nicht immer zu sehen. Die erste Dorsale ist von unten angefangen schwarz, blauweiß und der spitzsaulaufende Rest kann von gelb bis kräftig orange gefärbt sein. Die zweite Dorsale und die Afterflosse sind schwarzblau und die Spitzen gelbweiß gefärbt. Die Schwanzflosse ist im Zentrum schwarz gezeichnet und der obere und untere Teil blauweiß. Die kleinen Bauchflossen sind nicht sehr ausgezogen und fast farblos. Die Brustflossen sind nach oben gerichtet und es sieht aus, als wenn sie durchs Wasser fliegen. Die Spitzen sind blauweiß gefärbt.

Ob es zwei verschiedene Farbvarianten gibt, ist nicht wissenschaftlich belegt. Nach meiner Meinung kann das an  Haltung, Futter, Beleuchtung oder am Fotografen liegen. Was mich an diesem Fisch begeistert, genau wie bei vielen anderen Blauaugen, ist das Imponieren mit den Rückenflossen und der Afterflosse, die sie auch bei der Balz ruckartig hoch und wieder runter stellen. Das Auge ist im Verhältnis zum Kopf ziemlich groß und blau gefärbt.

Die Haltung und die Zucht von Ps.connieae ist nach meiner Meinung etwas schwieriger als die von Ps.furcatus, auch ist sie nicht so produktiv. Ich halte meine in einem  100 Liter Aquarium, das mit einem Innenfilter ausgerüstet und der Boden mit einer dünnen Schicht Kies belegt ist. Als Bepflanzung  habe ich zwei Pflanzen Anubias barteri nana und zwei Wurzeln eingerichtet. Als Ablaichkraut habe ich einen Büschel Javamoos auf den Boden gelegt. Trotzdem  schwimmt auch noch  ein Mob in dem Becken. In so einem Becken halte ich 15-20 Tiere. Wöchentlich wird ein kleiner Wasserwechsel  gemacht, wobei ich immer einen Teil Regenwasser verwende. Jede 4-5 Tage sammle ich aus dem Mob die Eier ab, und lager sie in einem Glasgefäß, warte bis die Jungfische geschlüpft sind und dann setze ich sie in ein kleines Aquarium, wo sie sofort angefüttert werden müssen. Auf diese Art und Weise erhalte ich meinen Bestand und kann auch immer noch in kleinen Mengen Nachzuchten an Aquarianer, Blauaugenfreunde und Händler abgeben.

 




Pseudomugil mellisPseudomugil mellis Allen & Ivantsoff, 1982

Deutscher Name: Honig-Blauauge            

Entdecker: G.Allen & H.Midgley, 12.03.1981

Fundort des Holotyps: In der Nähe vom Perigan Strand, Queensland

Weitere Fundorte: In Gewässern an der Ostküste zwischen den Städten Brisbane und Maryborough und im nördlichen Teil der vorgelagerten Insel Fraser Island.

 

Dieses Blauauge wurde schon lange vor seiner Beschreibung von australischen Aquarianern gehalten und verehrt, es wurde als Ps.signifer Honey Blue Eye bezeichnet. Das war aber nach genauer wissenschaftlicher Untersuchung nicht mehr haltbar . Allen & Ivantsoff beschrieben dieses Blauauge 1982 und es wurde eine eigene Art aufgestellt, Ps.mellis. Der Artname wird abgehandelt von der gelbbraunen Körperfarbe und zwar heißt mellis übersetzt Honig. Die Wasserwerte der Fundorte sind breit gefächert: pH-Werte von 4,5-7,5, wobei nach Auskunft von Bleher saure Werte überwiegen, der Härtegrad liegt bei 1-3° dGH und die Temperatur schwankt von Biotop zu Biotop und je nach Jahreszeit zwischen 16-32°C. Jeder Halter von Ps.mellis hat sein kleines Geheimnis der Wasserzusammenstellung. Meine Werte liegen bei ca. pH 7,0, 10 dGH, 300µS und einer Temperatur von ca. 24°C. Zur Ansäuerung des Wassers hänge ich in das Aquarium einen Netzbeutel mit Torfgranulat. Es wird ein wöchentlicher Wasserwechsel von 10-15 Litern gemacht und dem Wasser 1 Teelöffel Salz ( Seesalz oder jodfreies Salz) zugesetzt. Diesen Salzzusatz mache ich, weil ich glaube, dass die Biotope sind zum Teil öfters dem Meerwasser ausgesetzt sind. Die Temperatur sollte nicht immer auf einen Wert eingestellt sein, da in der freien Natur jahreszeitliche  Schwankungen die Regel sind, auch kann man dadurch Ps.mellis zum Ablaichen stimulieren. „Mellis“ haben Laichperioden, die in etwa in unsere winterliche Zeit fallen, Oktober-März.  Auch in der übrigen Zeit wird abgelaicht, aber nur sehr wenig. Zur Zucht aber noch später.

Ps.mellis wird knapp 3 cm groß, wobei die Weibchen etwas kleiner bleiben. Die Körperfärbung variiert von rehbraun bis goldgelb, eben wie manchmal Honig aussieht. Die braune Färbung zieht sich bis in die Flossen fort. Die Flossenenden sind schwarz gefärbt mit einem leuchtenden Rand. Den Weibchen fehlt diese Flossenfärbung.

Da diese Blauaugen stark gefährdet sind, ist die Entnahme aus ihren Heimatgewässern verboten. Auch war der Bestand in europäischen Aquarien zurückgegangen. Beim Aufruf einer Bestandsliste in der IRG, die ich führte, wurde mir bewusst, dass es kaum noch Bestand von Ps.mellis gab. Drei Mitglieder  hatten noch kleine Bestände, übernahmen eine Patenschaft und wollten sie auf Dauer halten , züchten und verbreiten. Diese Bestandserhaltung gelang und wir hatten 2002 genug Bestand in der IRG. Damit dieser sehr Bestand dauerhaft bleibt, möchte ich hier einige Haltungs- und Zuchttipps geben. Auch wäre ich daran interessiert, ob es noch weiteren Bestand in Deutschland und im angrenzenden Ausland gibt. Da mir die Bestandserhaltung sehr am Herzen liegt, möchte ich meine Erfahrungen und die von anderen, die mir in Gesprächen mitgeteilt wurden, hier darlegen.

Wir, damit meine ich die Blauaugenliebhaber der IRG, haben lange auf diesen Fisch gewartet, bis Norbert Grunwald, Wuppertal, von Gilbert Maebe 1994 neun Ps. mellis aus Australien mitgebracht bekam. Meine ersten „Mellis“ bekam ich von Norbert Grunwald auf der IRG-Jahreshauptversammlung 1995 in Flensburg, die ich veranstaltete Aber der Reihe nach: Norbert hatte mit dem Geschlechtsverhältnis von 4 Männchen und 5 Weibchen in jenem Jahr einem mäßigen Zuchterfolg, aber trotzdem sind diese Nachzuchten die Großeltern unseres heutigen Bestands. Auch späterer Import von Harro Hieronimus ändert an dieser Tatsache nichts. Meine ersten Ps.mellis gingen nach heutigen Wissensstand wegen schlechter Haltungsbedingungen ein und ich bekam erst 1996 wieder welche von Vater und Sohn Heemskerk aus Arkel/Holland, die beide dieses Blauauge  und andere mit guten Erfolg züchteten. Ihr Geheimnis war, immer etwas Salz in das Zuchtwasser zu tun, was entgegen der Biotopbeschreibung widersprüchlich ist. Ich hatte in den nächsten zwei Jahren sehr guten Zuchterfolg und meine Nachzuchten gingen sogar bis nach Norwegen, deswegen gab ich die Zucht auf, um mich anderen Arten zu widmen. Nun aber meine Zuchterfahrungen, die aus dem Jahre 1999 stammen, mit einer Zuchtgruppe aus 8 Männchen und 11 Weibchen. Das Aquarium hatte die Maße 40x40x40 cm 54 Liter Inhalt mit einem Innenschaumstofffilter mit mäßiger Förderung. Da dieses Aquarium in der unteren Etage meiner Zuchtanlage steht, war die Wassertemperatur 22°C.Im September konnten kaum Eier abgesammelt werden bzw. die Eier entwickelten sich nicht. Dieser Stand war für mich nicht befriedigend, also musste etwas geändert werden. Oft hatte ich bei Blauaugen mehr Erfolg durch Paarhaltung, deswegen wurden noch zwei Becken gleicher Größe eingerichtet, in die ich je ein Pärchen setzte. Der Rest , 6 Männchen und 9 Weibchen, blieben im alten Aquarium. Das Ergebnis blieb das Gleiche. Im Oktober richtete ich ein Aquarium 60x40x40 cm 96 Liter ein , um neue Versuche zu starten, diesmal mit dem Wasser, und ich setzte eine Gruppe aus 5 Männchen und 9 Weibchen in dieses Becken mit meinen Leitungswasserwerten.  Das Ergebnis blieb das Gleiche . Der Filter wurde mit einem Beutel mit Torfgranulat bestückt, damit das Wasser sich ein bisschen in den sauren Bereich veränderte, und ich konnte kleine Verbesserungen in der Eizahl vermelden, aber immer noch nicht „den Erfolg“. Das war der Stand Mitte Oktober und nach einem Gespräch mit Wim Heemskerk schlug er einen Salzzusatz vor. Ich tat 10 Teelöffel Kochsalz ohne Jod ins Aquarium ( die Mischung wurde vorher gemacht) und wartete auf einen besseren Erfolg. Der Erfolg war zwar etwas besser, aber ich war bei anderen Blauaugen mehr gewöhnt. Nach Einsetzen eines Regelheizers setzte ich die Temperatur auf 27°C hoch und dann ging die Post ab. Ich erzielte in 5 Tagen 66 Eier und nach 12 Tagen schwammen 48 Nachzuchten von Ps.mellis in einem kleinen Becken. Ich kann natürlich nicht sagen, dass dies nur an der Heraufsetzung der Temperatur gelegen hat, sondern wahrscheinlich auch am Erreichen der Laichzeit. Nun sollte man meine Erfahrungen nicht verallgemeinern, aber sie können auch nicht ganz verkehrt sein, denn nach einem Bericht im Regenbogenfisch der IRG von Detlef Werner, einem professionellen Züchter aus Nonnewitz bei Zeitz, sollen die „Mellis“ jahreszeitlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden. Auch gab er den Tipp, Ps.mellis außerhalb der Laichzeit sehr sparsam zu füttern und bei Beginn die Fütterung zu erhöhen. Meistens werden unsere Fisch sowieso wie Mastschweine behandelt.

Zuchtbedingungen für Ps.mellis:

Haltung einer Zuchtgruppe in einem Artenaquarium

Die Gruppe sollte aus mehreren Männchen mit leichten Weibchenüberhang  bestehen.

Haltung bei 23°C und ab Mitte Oktober Erhöhung auf 27°C.

Leichte Salzzugabe bei Erreichung der Laichzeit.

Auch sollte man  nicht mit zu alten Tieren züchten.

Die Jungfische müssen sofort angefüttert werden, anfangs füttere ich sie mit Pantoffeltierchen und staubfeinen Trockenfutter und nach einer Woche gebe dann auch Nauplien des Salinenkrebses und augesiebtes Tümpelfutter.

 

Biotopbeschreibung Fundort Pseudomugil mellis

 

Datum/Uhrzeit:  13.9.1994/15.00 Uhr

Aufgenommen von: Grunwald/ Schilling

Fundort: Schnapper Creek, 1150 km nördlich von Brisbane, an der Tin Can Bay Road, der Creek unterquert die Straße etwa 10 km südwestlich von Tin Can Bay.

Gewässer: Creek , breiter Bach, langsam fließend, klar, Tiefe 2 m, Farbe: teefarben, breiter tiefer Bachlauf mit steilen Ufern, Sandboden mit einigen Wurzeln, einige Ansammlungen von Fadenalgen im Flachwasserbereich.

Pflanzen: keine

Gefangene Fischarten: Ps.mellis, Hypseleotris compressa

Beobachtete Fische: Melanotaenia duboulayi

Wasserwerte: pH 5,8       Lufttemp.: 23°C   Wassertemp.: 21,5°C  Leitfähigkeit: 170µS/cm

 

 

  


Pseudomugil signifer Ross River  Pseudomugil signifer  Kner, 1865

Deutscher Name: Schmetterlings-Blauauge

Entdecker: Expedition der österreichischen Kaiserlichen Fregatte „Novara“ 1857-59

Fundort: Nähe von Sydney

Weitere Fundorte: Fast an der gesamten Ostküste Australiens, wie zum Beispiel Ross River, Nelligan Creek, Harvey Creek,

Synonyme: Atherina singata, Atherinosoma jamesonii, Pseudomugil signata, Ps. signatus, Ps. signatus affinis, Ps.affinis.

 

Es gibt von Pseudomugil signifer viele Fundortvarianten die sich durch Färbung, Größe, Flossen- und Flossengröße unterscheiden. Die Größe variiert von 4 cm bis 7 cm. Bei der Färbung überwiegen die gelben und schwarzen Farbtöne und je nach Fundort mehr oder weniger intensiv. Die Form und Größe der Flossen variieren auch je nach Fundort z.B.: aus dem Ross River – hoch, aus dem Nelligan Creek – mäßig hoch, aus dem Harvey Creek – schmal und sehr hoch ausgezogen. Die Variante aus dem Harvey Creek ist zudem untereinander sehr aggressiv und bis diese Unart erkannt wurde, hatten wir auch keinen Bestand mehr. Ps.signifer kommt fast an der gesamten Ostküste von Australien vor. Sie sind auch in Gewässern mit hohen Salzgehalt zu finden. Zur Zeit pflege ich 2 Varianten, und zwar aus dem Nelligan Creek und aus dem Ross River. Wenn man beide sieht, glaubt man, dass es zwei verschiedene Blauaugenarten sind. Genau wie das Aussehen unterscheidet sich auch die Halterung, und zwar die Wasserbeschaffenheit. Stellvertretend für die anderen Fundortvarianten möchte ich diese beiden Varianten näher vorstellen.

Die Größe der „Signifers“ aus dem Nelligan Creek liegt etwa bei 5 cm und der Körper hat eine schöne gelbe Färbung, die bis in die Flossen geht, die nicht so groß und ausgezogen und am Rand schwarz abgesetzt sind. Diese Variante sieht der sogenannten Aquarienform  am ähnlichsten, aber natürlich intensiver gefärbt. Mein Schwarm dieser „Signifer“ umfasst ca. 15 Fische. Sie leben in einem 54 Liter Aquarium, das sie sich mit ein paar Antennenwelse teilen. Die Wasserbeschaffenheit hat die schon oftmals erwähnten Werte und mit Salzzugabe halte ich mich zurück. Das heißt , bei jedem Wasserwechsel ein Esslöffel Seesalz. Da diese Variante nicht so beliebt ist, züchte ich fast nur für meinen Fortbestand, da sie  auch nicht so produktiv ist, wie zum Beispiel die aus dem Ross River. Eben diese Variante war jahrelang mein Traumfisch, und nicht nur meiner. Bei Gesprächen über Ps.signifer geisterte immer der Name Townsville Blue Eye im Vordergrund. Zehn Jahre habe ich vergeblich auf ihn gehofft, dann war es soweit. Zu verdanken haben wir ihn Gilbert Maebe, der über einen Amerikaner Eier bekam und nachdem sie geschlüpft, groß geworden und er sie nachgezüchtet hat, wurde er die Jungfische  natürlich reißend los. Gilbert Maebe ist ein Aquarianer und IRG-Mitglied aus Belgien, der seit Jahren Reisen nach Australien macht, Regenbogenfische und Blauaugen mitbringt und nachzüchtet und damit viel für den Bestand an diesen Fischen getan hat. Der Traumfisch war endlich in einem meiner Aquarien. Frisches Blut wurde von Norbert Grunwald und später noch mal von Gilbert Maebe aus Australien mitgebracht. So haben wir einen guten Bestand in Europa, obwohl man diese Variante als Brackwasserfisch bezeichnen kann. Die Salzkonzentration liegt zwischen 10-20 Gram pro Liter, wobei ich es heute nicht mehr so genau mit der Dosierung so genau nehme. Was ich festgestellt habe ist, bei weniger Salz hat der Fisch nicht so ausgezogene Flossen und man hat weniger Eier im Substrat. Die Ross River-Variante bewirkt durch seine Gestalt und Färbung ein längeres Verweilen vor dem Aquarium, wobei einem manchmal der Atem stockt. Sie werden mit ca. 6 cm  für ein Blauauge recht groß und können bei Aufstellung ihrer Rücken-, Bauch- und Afterflossen genau so hoch sein. Dieses geschieht des öfteren beim Imponieren oder bei der Balz, die nach dem Sonnenaufgang (bei Aquarien nach Einschalten der Beleuchtung) oder am Abend zu beobachten ist.

 

In dem ersten Buch über Regenbogenfische, einem Taschenbuch aus der Lehrmeisterbücherei, erwähnt der Autor Mayland folgende Einteilung der Art  Pseudomugil Signifer:

„Southern Blue Eye“ – verbreitet von Sydney im Süden bis Mackay im Norden.

„Nothern Blue Eye“- Umgebung von Cairns:

„Townsvolle Blue Eye“ – gefunden im Ross River bei Townsville, dem Black Creek sowie auf Palm Island.

„Honey Blue Eye“ – bekannt von Tin Can Bay nördlich von Brisbane:

Heute geht man bei den ersten drei erwähnten nach genauer Fundortangabe. Das „Honey Blue Eye“ ist Ps. Mellis. Natürlich sollte bei den Fundortgaben hinter dem Artnamen auch der richtige Fundortangabe

Angegeben werden und das beste wäre mit einer genauen Fundortbeschreibung, wie unten.

 

 

 

Biotopbeschreibung Fundort Pseudomugil signifer:

Datum/Uhrzeit     15.11.1997/10.45 Uhr

Aufgenommen von: Grunwald/Hansen/Schilling

Fundort: Queensland, Tin Can Bay, Tea Tree Swamp Drain kurz vor der Ortseinfahrt nach Tin Can Bay

Gewässerart: Mangrovensumpf, fließend durch Tide, klar, Tiefe 30 cm.

                     Ein 1,5 Meter breiter Bach, der in einen Mangrovensumpf mündet. Entfernung zum Meer etwa 150 Meter. Je nach Tidenstand ist der Wasserstand zwischen 10 und 40 cm. Mangrovenbäume und Wurzeln im gesamten Sumpfberech.

Pflanzen: keine

Gefangene Fischarten: Ps.signifer(mit schöner Färbung und großen Flossen), Myxus petradi (Meeräschen), Butis butis, Mugilgobius stigmaticus.

Messwerte: pH-Wert:8,0    Leitfähigkeit: über 10000 µS    Gesamthärte: über 15° 

Lufttemperatur:  29,5°C    Wassertemperatur: 26,0°C

                   

 

 


Pseudomugil cyanodorsalis Allen & Sarti, 1983  

Deutscher Name: Blaurücken-Blauauge

Entdecker: Helen Larson, 1981

Fundort: Crab Creek(Westaustralien)

Weitere Fundorte: Buffalo Creek, Elizabeth River(Nordaustralien), Umgebung von Broome und Wyndham

 

 
Diese Art wurde 1981 von Frau Helen Larson und kurz danach von G.Allen und Sarti an zwei verschiedenen Fundorten entdeckt  und 1983 von Allen & Sarti beschrieben. Ihre Biotope liegen im Norden von Australien in der Nähe von Darwin  und im nördlichen Westaustralien  in der Nähe von Boome und Wyndham. Sie kommen in küstennahen Gewässern und Mangroven, die einer gewissen Tide ausgesetzt sind, vor. Der Salzgehalt dieser Gewässer kann recht hoch werden, was bei der Haltung bedacht werden sollte. Gemäß dem deutschen Namen haben die Männchen  einen metallic blauen Rücken und der Rest des Körpers ist silbrig transparent. Beim Imponieren und bei der Balz ist dieser Teil des Körpers sehr schön hell gelb gezeichnet. Die zweite Rückenflosse und die Afterflosse sind sichelförmig ausgezogen und gelb und der vordere Teil schwarz gefärbt. Die Weibchen sind silbergrau gefärbt. Die Fische werden ca. 25 mm groß. Während der  Balz sind die Männchen intensiver gefärbt und stellen ihre sichelförmigen Flossen immer auf und ab.

Die Haltung macht keine Schwierigkeiten, solange das Halterungswasser genügend aufgesalzt wird. Die Dosierungen sind bei den verschiedenen Aquarianer unterschiedlich, sie können von 5 Gramm bis 20 Gramm Seesalz pro Liter betragen. Eine Haltung ohne Salzzusatz beschert Ps. Cyanodorsalis kein langes Leben, die Färbung ist nicht so intensiv, und die Nachzuchterfolge lassen nach. Die Beckengröße muss für 10 Tiere ca.20 Liter betragen, ich halte meinen Schwarm von ca. 40 Tieren in einem 100Liter Aquarium. Eine ideale Aquariumsgröße ist 80x40x40, das man mit einem luftgetriebenen Innenfilter versehen kann. Ein grünbepflanztes Becken kann man bei den Wasserwerten nicht erwarten, versuchen kann man es mit Caulerpa oder Plastikpflanzen ( die heute wie echte Pflanzen aussehen). Als Einrichtungsgegenstände eignen sich verschiedene Gesteinsarten. Mein Halterungsbecken betreibe ich total ohne Einrichtung; auf  Bodengrund verzichte ich ganz. Wasserwechsel müsste nach meiner Meinung einmal wöchentlich mit dem passenden Wasser gemacht werden. Mit der Salzkonzentration nehme ich es nicht mehr so genau, sie liegt zwischen 5 – 20 Gramm pro Liter. Da Ps.cyanodorsalis ein oberflächenbezogener Fisch ist, plädiere ich für ein gutes Abdecken des Aquariums. Dementsprechend sollte auch die Nahrung gewählt werden, ich empfehle die kleine stummelflügige Drosophilla, Cyklops und Salinenkrebse

Die Zucht ist recht einfach und produktiv und es gibt verschiedene Zuchtarten. Ich möchte die bequeme und recht erfolgreiche Art vorstellen, und zwar die des Überlaufsystems. Dazu verwende ich ein Aquarium mit den Maßen80 cm Länge, Tiefe 40 cm und Höhe 30 cm, das mit einer Glasscheibe, die nicht ganz zur Wasseroberfläche reicht im Verhältnis 1/3 zu 2/3, abgetrennt wird. Das Stück bis zur Wasseroberfläche verschließe ich mit einem Gitter mit sehr kleinen Löchern ( Fliegengitter). In die kleinere Kammer wird ein luftgetriebener Filter oder ein nicht so starker Motorfilter montiert, der die Aufgabe hat das Becken zu filtern und das Wasser von der kleinen zur großen Kammer zu fördern. Damit steigt in der großen Kammer der Wasserstand an und läuft dann über die Abtrennscheibe  wieder in die kleine Kammer, dieses ist der sogenannte Überlaufeffekt. Die große Kammer wird mit einem Wollmop, der bis zum Boden reicht, ausgerüstet und die Zuchttiere werden eingesetzt. Da diese Blauaugen Dauerlaicher sind, wird man nach ca. 15 Tagen mit den ersten Jungfischen rechnen können, die durch den Überlauf in die kleine Kammer gespült werden. In dieser Kammer sind sie nicht der Nachstellung der Elterntiere ausgesetzt und können bis zu einer Größe von ca. 1,5 cm wachsen, um dann wieder in die große Kammer gesetzt zu werden; somit wird die Zuchtgruppe erhalten bzw. vergrößert. Ps.cyanodorsalis ist kein sogenannter Verkaufsschlager, aber für mich als Blauaugenfreak erhaltenswert. Im laufende der Jahre treten Degenerationserscheinungen auf und Ps.cyandorsalis wird auch nicht mehr so groß.

 
 

 

 

Pseudomugil gertrudae Giddy RiverPseudomugil gertrudae Weber, 1911

Deutscher Name:  Gepunktetes Blauauge

Entdecker: H.Merton / 1908

Fundort: Fluss  im Sago Forest (Ngaiguli), Aru Island

Weitere Fundorte: viele Fundorte, siehe Bericht

 




Pseudomugil gertrudae  ist eine der beliebtesten Blauaugenarten und vor allen Dingen bekommt ihn jederzeit im gut sortierten Zoohandel. Dieses Blauauge lässt sich recht gut im Artenbecken halten und vermehrt sich auch willig. Für einen Schwarm von zehn Tieren genügt ein Aquarium, wie es heute als Mindestgröße mit 60x30x35 cm vorgeschrieben ist , das auch gut bepflanzt sein kann. Der Artname bezieht sich auf die Gattin des Entdeckers H.Merton , die mit Vornamen Gertrud hieß. Der deutsche Namen bezieht sich auf die gepunkteten Flossen.

Entdeckt wurde Pseudomugil gertrudae von H.Merton auf Aru Island . Er bereiste bereits im Jahre 1908 diese Inselgruppe und entdeckte am 18.Februar in einem kleinen Flüsschen im Sago Forest auf der Insel Terangan die ersten „Gertrudaes“. Die Inselgruppe Aru Island gehört heute zu Indonesien und liegt zwischen Australien und Neuguinea. Bestimmt wurde der Fisch von Weber im Jahre 1911 und von Pacton 1982 als gültig bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt  war auch die erste Einfuhr nach Deutschland. Ob er schon vorher in andere Länder Europas eingeführt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die Verbreitung nach heutigen Gesichtspunkten erstreckt sich auf das nördliche Australien und das südliche Neuguinea. Diese Blauaugenart ist weit verbreitet  und hat je nach Fundort viele verschiedene Farbvarianten, dazu aber später. Die meist genannten Fundorte liegen in der Umgebung von Darwin und Arnhem Land (Northern Territory), dem nördlichen Teil der Halbinsel Cape York und der Umgebung von Cairns  (Queensland).

Da der Süden von Papua-Neuguinea noch recht unerforscht ist, liegen hier nur wenige Fundorte vor. Natürlich gehört auch noch die Aru-Inselgruppe dazu und ich persönlich glaube, dass die bisher gefundenen Tiere nur die Spitze eines Eisberges sind. Ich möchte einige Fundorte ( die ich aus der Literatur entnommen habe) nennen:

Nothern Territory ( Darwin): Melville Island, Bathurst Island, Howard River, Sandy Creek, Burton Creek und Charlotte River. 


 



Pseudomugil reticulatus Allen & Ivantsoff, 1986

Deutscher Name : Genetztes Blauauge

Entdecker : Allen und Bleher / 1982

Fundort : Zufluss des Ajamura See, 2 Kilometer östlich vom Dorf Ajamura

 

Gefangen wurde Ps.reticulatus das erste Mal 1982 auf einer Sammelreise von H.Bleher und G.Allen in einem Zufluss des Ajamaru-See : Obwohl nur ein Exemplar und dann ein Weibchen reichte es zur Beschreibung, die dann von Allen&Ivantsoff 1986 erfolgte. Dann war lange Ruhe um diesen Fisch, bis 1997 eine erneute Beschreibung im Journal of Ichthyologie and aquatic Biology – Aqua erschien. Diese Beschreibung erfolgte an Tieren in der Nähe der Timika-Bucht, die von eigentlichen Fundort Ajamaru-See auf der Vogelkop-Halbinsel ca. 700 km entfernt lag. Es handelte sich um eine Falschbeschreibung und der gefangene Fisch wurde später als Ps.ivantsoffi beschrieben. Beide Arten waren bis dahin noch nicht Liebhaberhänden gewesen. Heiko Bleher , dem wir gerade in Sachen Regenbogenfischen und Blauaugen einiges zu verdanken haben, brachte von einer Reise an den Ajamaru-See einige Exemplare von Ps.reticulatus mit nach Europa und sie von seinen Vertragszüchtern sie auch vermehrt. Mitte des Jahres 2000 bekam ich über Heinrich Gewinner, Bensheim, als einer der ersten 10 Jungfische mit  einer Größe von 1,5 cm. Als ich dieses Blauauge beim Abholen in Bensheim in dem Aquarium sah, dachte ich, es wäre ein Killifisch der Gattung Nothobranchius, eine gewisse Ähnlichkeit war vorhanden. Es war natürlich ein Aquarium für diese Seltenheit extra eingerichtet worden und sie waren in den nächsten Tagen recht scheu, was sich dann gab, und ich konnte mich endlich an der Schönheit erfreuen.

    Dieses Blauauge erreicht eine Größe von ca. 3,5 cm  Gesamtlänge und wird dabei recht hochrückig. Die Flossen sind rundlich aber nicht groß bzw. auch nicht ausgezogen. Die Färbung liegt zwischen blass orange bis bei der Balz orangerot. Die Schuppenränder sind schwarz abgesetzt und es sieht aus, als wenn der Körper mit einem Netz überzogen ist, was dem Fisch dem deutschen Namen genetztes Blauauge gibt.

Nachdem sich meine „Reticulatus“ eingelebt hatten, gehalten wurden sie in normalen Leitungswasser, untersuchte ich die eingehängten Substrate nach abgelegten Eiern. Es verschlug mir bald die Sprache, was so ein kleiner Fisch für große Eier legen kann. Die Eier entwickelten sich, aber trotz aller Tricks schlüpften keine Jungfische, und es waren schon 31 Tage vergangen. Obwohl es bei Blauaugen recht lange dauern kann, habe ich so etwas noch nicht erlebt. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, natürlich mit einem Funken von der gesagten Hoffnung, und dann war es nach 35 Tagen soweit: der erste Jungfisch. Es war also eine recht lange Entwicklungszeit. Da mal wieder Urlaub geplant war musste ich eine Pause mit der Zucht machen.  Wie immer wenn ich wieder nach Hause komme ist nach Koffer ins Haus tragen, der Gang in die Garage dran, wo sich meine Zuchtanlage befindet und es wird alles eingehend kontrolliert. Das Becken mit den „Reticulatus“ wurde natürlich als erstes und eingehend untersucht und ich entdeckte indem mit Najas guadelupensis gut bepflanzten Becken eine Menge Jungfische. Also eine recht einfache Sache der Vermehrung, man braucht die Jungfische eigentlich nur abschöpfen. Die Jungfische sind schon recht groß und bewältigen gleich Artemia oder gesiebtes Tümpelfutter.

 

 

 

 

 



Pseudomugil cf. ivantsoffi




                              Pseudomugil novaeguinea


Pseudomugil pellucidus